Warum ist eine lebenslange Nachsorge notwendig?
Nach der Operation verringert sich sowohl die aufgenommene Nahrungsmenge als auch bei manchen Verfahren die Resorption. Kommen beide Faktoren zusammen, können Vitamin- und Mineralstoffspiegel im Laufe der Zeit sinken, selbst wenn die tägliche Ernährung ausreichend erscheint.
Mängel verlaufen häufig zunächst unbemerkt. Bluttests dienen dazu, ein Problem zu erkennen, bevor Beschwerden auftreten. Kontrolltermine sollten deshalb nicht wegen des Gefühls 'es geht mir gut' ausgelassen werden.
Die Nachsorge umfasst zudem die Beobachtung des Gewichtsverlaufs, den Verlauf von Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck sowie die Anpassung von Medikamentendosierungen.
Wie wird der Kontrollabstand geplant?
Im ersten Jahr sind die Kontrollen in der Regel häufiger; nach der frühen postoperativen Phase folgen ambulante Termine und Gespräche mit der Ernährungsberatung in festgelegten Abständen.
Nach dem ersten Jahr wird bei den meisten Patient:innen eine umfassende jährliche Untersuchung empfohlen. Bei festgestelltem Mangel oder nach einer Revisionsoperation können die Kontrollen häufiger erfolgen.
Der genaue Zeitplan hängt von der Patientin bzw. dem Patienten, dem angewandten Verfahren und dem Protokoll des behandelnden Teams ab. Der individuelle Kontrollplan sollte mit dem operierenden Team besprochen werden.
Welche Bluttests werden kontrolliert?
Kleines Blutbild: grundlegender Test zur Beurteilung von Blutarmut und Allgemeinzustand.
Eisen, Ferritin und Gesamteisenbindungskapazität: Eisenmangel ist besonders bei menstruierenden Frauen und nach Bypass-Verfahren häufig.
Vitamin B12 und Folat: werden für Nervensystem und Blutbildung überwacht; nach Bypass kann die B12-Resorption deutlich abnehmen.
25-OH-Vitamin D, Kalzium, Albumin und Parathormon: werden gemeinsam im Hinblick auf die Knochengesundheit beurteilt.
Leber- und Nierenfunktionswerte, Elektrolyte: geben Auskunft über den allgemeinen Stoffwechselzustand.
HbA1c und Nüchternglukose: ermöglichen bei aktuellem oder früherem Typ-2-Diabetes die Verlaufskontrolle.
Lipidprofil und Schilddrüsenfunktion: werden zur Beurteilung des kardiometabolischen Risikos und des Gewichtsverlaufs herangezogen.
Je nach Situation können zusätzliche Tests wie Zink, Kupfer, Magnesium sowie Vitamin A und E angefordert werden.
Substitution: kein Standardschema, sondern individuell
Der allgemeine Ansatz umfasst nach der Operation eine Multivitamin-Mineral-Basissubstitution, ergänzt je nach Bedarf um B12, Eisen, Kalzium und Vitamin D. Form, Dosierung und Dauer werden jedoch individuell anhand der Laborwerte festgelegt.
Die gleichzeitige Einnahme von Kalzium- und Eisenpräparaten kann die Resorption verringern, weshalb die Einnahmezeiten geplant werden. Kau- oder Flüssigformen mancher Präparate können in der Frühphase besser geeignet sein.
Im Internet kursierende fertige Protokolle sollten nicht eigenständig angewendet werden. Auch eine übermäßige Einnahme mancher Vitamine kann schädlich sein; der Substitutionsplan sollte gemeinsam mit Ärzt:in und Ernährungsberatung erstellt werden.
Eiweiß, Flüssigkeit und Muskelmasse
Während der Gewichtsabnahmephase ist eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig, um Muskelmasse zu erhalten. Die individuelle Zielmenge wird von der Ernährungsberatung festgelegt.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft, Problemen wie Nierensteinen und Verstopfung vorzubeugen. Flüssigkeiten getrennt von den Mahlzeiten und über den Tag verteilt einzunehmen wird meist besser vertragen.
Regelmäßige körperliche Aktivität einschließlich Krafttraining trägt zum Erhalt der Muskelmasse bei. Der Trainingsplan wird entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Knochengesundheit und weitere Kontrollen
Die Phase der raschen Gewichtsabnahme kann die Knochendichte beeinflussen. Deshalb ist die Überwachung von Vitamin-D- und Kalziumspiegeln wichtig, ebenso wie bei Bedarf die Planung einer Knochendichtemessung.
Gallensteine können sich in der Phase der raschen Gewichtsabnahme bilden; bei Patient:innen mit Bauchschmerzen wird dies abgeklärt.
Bei Patient:innen mit Kinderwunsch werden die Phase der raschen Gewichtsabnahme und der Vitaminstatus berücksichtigt und die Planung gemeinsam mit der Gynäkologie vorgenommen.
Was tun bei bemerkter Gewichtswiederzunahme?
Zunächst werden Essverhalten, Mahlzeitenhäufigkeit, Kalorien aus Getränken, Schlaf und Stress überprüft; Ernährungsberatung und bei Bedarf psychologische Unterstützung werden hinzugezogen.
Bei deutlicher und anhaltender Wiederzunahme kann eine anatomische Abklärung (Endoskopie, Bildgebung) erfolgen. Je nach Situation werden medikamentöse Unterstützung oder eine Revisionsoperation besprochen.
Frühzeitiges Erkennen ist der wichtigste Vorteil; dies gelingt durch regelmäßige Kontrollen.
Quellen
- BOMSS — Ernährungsempfehlungen nach bariatrischer Chirurgie (wird in einem neuen Tab geöffnet)
- BOMSS — Leitfaden für jährliche Kontrollen nach bariatrischer Chirurgie (wird in einem neuen Tab geöffnet)
- ASMBS/IFSO — Indikationen für metabolische und bariatrische Chirurgie (2022) (wird in einem neuen Tab geöffnet)
- NHS — Erholung nach Adipositaschirurgie (wird in einem neuen Tab geöffnet)
Die Ergebnisse jedes chirurgischen oder interventionellen Eingriffs können von Person zu Person unterschiedlich sein. Es wird empfohlen, vor dem Eingriff eine ausführliche ärztliche Auskunft einzuholen.
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