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Vor der Operation

GLP-1-Medikamente (Semaglutid, Tirzepatid) vor einer Operation: Wie wird damit umgegangen?

Mit der zunehmenden Verbreitung von GLP-1- und GLP-1/GIP-basierten Medikamenten wie Semaglutid und Tirzepatid stellt sich vor einer geplanten Operation häufig die Frage: 'Wie viele Tage vorher muss ich mein Medikament absetzen?' Darauf gibt es keine einzige, im Internet auffindbare, allgemeingültige Antwort. Dieser Beitrag erklärt, auf welcher Grundlage und von wem diese Entscheidung getroffen wird; er ist keine persönliche Medikamentenanweisung.

Warum wird diese Frage so oft gestellt?

GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid) und duale GLP-1/GIP-Agonisten (Tirzepatid) verringern den Appetit und können gleichzeitig die Magenentleerung verlangsamen. Das gehört während der Behandlung zum gewünschten Sättigungsgefühl, wird aber bei einer geplanten Vollnarkose zu einem eigenen Thema.

Unter Vollnarkose sind Schutzreflexe unterdrückt. Ist der Magen unerwartet voll, kann Mageninhalt in die Speiseröhre und von dort in die Lunge gelangen (pulmonale Aspiration). Die gesamte perioperative Diskussion dreht sich darum, genau dieses Risiko zu verringern.

Ein unnötiges oder zu langes Absetzen hat andererseits ebenfalls einen Preis: schlechtere Blutzuckerkontrolle, Unterbrechung der Behandlungskontinuität und ein erneutes Aufbauen der Dosisstufe von vorn. Deshalb lautet der aktuelle Ansatz nicht 'bei jedem absetzen', sondern 'das Risiko individuell bewerten'.

Der Rahmen des multidisziplinären Konsenses von 2024

Der 2024 von anästhesiologischen und metabolisch-bariatrischen Fachgesellschaften veröffentlichte gemeinsame Konsens definiert einen ausgewogeneren Rahmen als die frühere Tendenz 'vor jeder Operation unbedingt absetzen'. Darin wird die Fortführung oder Pausierung nicht durch eine starre Kalenderregel, sondern durch eine patientenindividuelle Risikobewertung bestimmt.

Der Kerngedanke lässt sich so zusammenfassen: Bei ausgewählten Patient:innen mit niedrigem Risiko, ohne gastrointestinale Beschwerden und mit stabil eingestellter Therapie kann eine Fortführung erwogen werden; liegen dagegen Risikohinweise vor, wird der Plan angepasst und zusätzliche Maßnahmen kommen infrage (z. B. eine verlängerte präoperative Flüssigdiät, ein angepasstes Anästhesievorgehen zur Sicherung der Atemwege oder in manchen Fällen eine Ultraschallbeurteilung des Mageninhalts).

Dieser Beitrag fasst das genannte Dokument patientengerecht zusammen; das Original richtet sich an Fachpersonal und enthält keine individuellen Patientenanweisungen. Den Originaltext finden Sie im Quellenverzeichnis unten.

Was verändert die Planung?

Die folgenden Punkte sind typische Situationen, aufgrund derer das Behandlungsteam vorsichtiger vorgeht. Es handelt sich nicht um eine Checkliste, sondern um Beispiele, welche Informationen wichtig sind:

Welche Informationen fließen in die Bewertung ein?

Dosisstufe: Ein kürzlicher Therapiebeginn oder die Phase der Dosissteigerung (Titration) ist die Phase mit der stärksten Beeinträchtigung der Magenentleerung.

Aktuelle Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, frühes Sättigungsgefühl, Blähungen, Aufstoßen, Verstopfung oder das Gefühl 'das Essen bleibt im Magen liegen'.

Dosishöhe und Anwendungsdauer: Eine hohe Dosis über längere Zeit wird anders bewertet als eine niedrige, erst kürzlich begonnene Dosis.

Begleiterkrankungen: Typ-2-Diabetes, eine langjährige diabetesbedingte verzögerte Magenentleerung (Gastroparese), Reflux, frühere Magen-Darm-Operationen.

Art des Eingriffs: Vollnarkose, Sedierung oder ein endoskopischer Eingriff; Notfall oder geplanter Eingriff.

Andere Medikamente: blutzuckersenkende Mittel, Medikamente mit Einfluss auf die Magenentleerung sowie Therapien, deren Absetzen vor der Operation ohnehin geplant ist.

Wer trifft die Entscheidung?

Die perioperative Entscheidung zu GLP-1-Medikamenten wird nicht von einer einzelnen Person allein getroffen. Der operierende Chirurg oder die operierende Chirurgin, der/die zuständige Anästhesist:in und die verschreibende Ärzt:in (Endokrinologie, Innere Medizin oder Hausarztpraxis) bewerten gemeinsam.

Die Aufgabe der Patient:innen besteht darin, die dafür nötigen Informationen vollständig weiterzugeben: Name des Medikaments, Dosis, Zeitpunkt der letzten Einnahme, Dosisänderungen und Verdauungsbeschwerden der letzten Wochen. Werden diese Angaben schriftlich zur Untersuchung mitgebracht, lässt sich der Plan wesentlich sicherer erstellen.

Patient:innen sollten das Medikament nicht eigenmächtig absetzen, auslassen, in der Dosis verändern oder nach dem Motto 'die Operation steht ohnehin an' fortführen. Sowohl die Entscheidung zum Absetzen oder Fortführen als auch der Zeitpunkt eines etwaigen Wiederbeginns sind Teil der Planung des Behandlungsteams.

Zusätzlicher Hinweis bei geplanter Adipositas-Chirurgie

Manche Patient:innen nehmen diese Medikamente bereits als einen Baustein der Adipositas-Behandlung, bevor eine metabolisch-bariatrische Operation zur Sprache kommt. In diesem Fall ist das Medikament Teil des Weges zur Operation und kein Zeichen eines 'Scheiterns'.

Ob Medikament und Operation nacheinander oder kombiniert eingesetzt werden, ob die Therapie nach der Operation fortgeführt wird und wann eine erneute Bewertung erfolgt, sind jeweils eigene Entscheidungen. Sie werden gemeinsam mit Untersuchung, Befunden und den Präferenzen der Patient:innen festgelegt.

Was Sie zum Vorgespräch mitbringen sollten

Eine aktuelle Liste aller eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel (mit Dosis und Einnahmehäufigkeit).

Den Zeitpunkt der letzten Anwendung Ihres GLP-1- oder GLP-1/GIP-Medikaments sowie den Zeitpunkt der letzten Dosisänderung.

Häufigkeit von Übelkeit, Erbrechen, frühem Sättigungsgefühl und Blähungen im letzten Monat.

Vorliegende Diagnosen wie Diabetes, Reflux oder Gastroparese sowie frühere Magen-Darm-Operationen.

Bisherige Erfahrungen mit Anästhesie und bekannte Medikamentenallergien.

Quellen

Die Ergebnisse jedes chirurgischen oder interventionellen Eingriffs können von Person zu Person unterschiedlich sein. Es wird empfohlen, vor dem Eingriff eine ausführliche ärztliche Auskunft einzuholen.

Medizinischer Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Patientenaufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder Operationsentscheidung. Welche Methode für Sie geeignet ist, kann erst nach ärztlicher Untersuchung und den erforderlichen Untersuchungen entschieden werden.

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